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Losnr.:477 (Bremen/Niedersachsen)
Titel:Preussisch Bengalische Compagnie (Compagnie Royale Prussienne de Bengale)
Auflistung:Aktie 200 Florins (Silbergulden) 15.12.1759 (R 9).
Ausruf:4.200,00 EUR
Ausgabe-
datum:
15.12.1759
Ausgabe-
ort:
Emden
Abbildung:Preussisch Bengalische Compagnie (Compagnie Royale Prussienne de Bengale)
Stücknr.:420
Info:Im 17. und 18. Jh. wurden in fast allen europäischen Ländern Handelsgesellschaften gegründet, um an den enormen Profiten aus dem Handel mit der gerade entdeckten Neuen Welt teilzuhaben. Wegen des Imports von Edelmetallen, Edelsteinen und Gewürzen war vor allem Ostindien bevorzugtes Ziel der Reisen. Die älteste dieser Handelsgesellschaften war die "English East India Company", deren Konzession aus dem Jahr 1600 datiert, gefolgt von der im gleichen Jahr entstandenen "Niederländisch-Ostindischen Compagnie" in Amsterdam. Initiatoren und Kapitalgeber waren zumeist Adlige, auch die gerade herrschenden Regenten beteiligten sich an diesen Geschäften als Aktionäre. Das fiel ihnen leicht, hatten sie doch die einflussreichste Position: eine AG-Gründung war ohne königliche oder kaiserliche Konzession gar nicht möglich. Auch in Preußen blickte man neidisch auf die enormen Gewinne, vor allem der englischen, französischen, niederländischen und spanischen Handelskompagnien. Man versuchte ebenfalls an solchen Geschäften teilzuhaben, aber längst nicht mit dem Erfolg, wie andere Länder. Der Grund für die relative Erfolglosigkeit lag im Fehlen einer schlagkräftigen Marine: Preußen war keine Seemacht, doch ohne Kriegsschiffe und Kanonen ging damals im Überseehandel nichts. Wegen der Seeräuber und der zur Gewaltanwendung ebenso stets bereiten Konkurrenten war ein unbewaffnetes Auftreten in diesen lukrativen Geschäften schlichter Selbstmord. Das erklärt, warum deutsche Gesellschaften erst relativ spät und in sehr geringer Zahl im Überseehandel auftraten. Umso bedeutender ist die hier angebotene Aktie der Preussisch Bengalischen Compagnie. Gegründet 1753 in Emden, entstand sie etwa zeitgleich mit der 1750 von Friedrich dem Großen privilegierten "Emden und Asiatischen Handlungskompagnie", was auch die Bedeutung Emdens für den preußischen Überseehandel unterstreicht. Es gab sonst nur einen einzigen Vorläufer: die 1647 vom Großen Kurfürsten begründete Ostindische Compagnie. Ohne Hilfe aus den in diesem Geschäft viel sattelfesteren Seemächten ging es nicht: der Initiator der Preussisch Bengalischen Compagnie war mit Harris ein Engländer, und über die Hälfte des Kapitals von 1 Mio. Thalern wurde von Südniederländern gezeichnet. Kurz nach ihrer Gründung erwarb die Kompanie in England ein Schiff, das jedoch Emden nie erreichte. Bereits beim Auslaufen wurde es von den englischen Behörden beschlagnahmt und später an die englische Ostindische Kompanie verkauft. Preußen hatte es versäumt, England und die Niederlande offiziell von der Gesellschaftsgründung zu unterrichten. 1754 schickte die Kompanie das Schiff "Heinrich Prinz von Preussen" mit 750 Tonnen unter dem Kommando von Kapitän Matthieu Klinkaert von Emden nach Bengalen und den benachbarten Küsten. Bei dem Versuch, den Ganges zu befahren, strandete es jedoch am 18.8.1756. 1759 wurde die zweite Expedition beschlossen, finanziert mit Aktien. Das erworbene Schiff mit dem klangvollen Namen "König von Emden" segelte nach Bengalen unter dem Kommando von Kapitain Pieter Londt. Endlich, nach über sechs Jahren am 25.1.1762 lief der Segler "König von Emden" mit den Überresten der gestrandeten Ladung der "Heinrich Prinz von Preussen" im Hafen von Emden ein. Ebenso wie die 1765 bereits wieder aufgehobene Emden und Asiatische Handelskompanie war auch der Preussisch Bengalischen Compagnie nur ein kurzes Leben beschieden. Sie bestand nicht einmal 10 Jahre, und bei ihrer Liquidation stellten sich drei Viertel des Kapitals als verloren heraus. Einen letzten Versuch machten 1782 Emdener Kaufleute mit der Gründung einer Ostindischen Compagnie, doch auch diese ging schon 1787 wieder unter: der Versuch Preußens, am lukrativen Überseehandelsgeschäft teilzuhaben, war auf der ganzen Linie gescheitert.
Besonder-heiten:Vorgedrucktes Dokument auf Büttenpapier mit aufwändigem Wasserzeichen, handschriftliche Ergänzungen. Der Aktientext ist in französisch, entsprechend der in höfischen Kreisen vorherrschenden Mode der Zeit. Großes und sehr schönes Siegel. Original signiert von dem Brüsseler Bankier J. Depestre, von Henssens (Antwerpen) und C. Carpenter, einem großen Kaufmann aus Gent.
Verfügbar:Rarität: nur 6 dieser Aktien tauchten im Jahr 2000 auf einer Buchauktion in Antwerpen auf. Trotz des gesellschaftlichen Mißerfolges ist dieses Papier ein einmaliges, sehr frühes und extrem seltenes Dokument der deutschen Aktiengeschichte von allerhöchstem historischen Rang, zweifellos museal. (R 9)
Erhaltung:EF
Zuschlag:offen
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